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Riese, Adam


1492-1559

Adam Riese - jeder hat sicherlich schon einmal seine Rechnung mit den Worten beendet: "- und macht nach Adam Riese -". Dabei hieß er eigentlich Adam Ries und nicht Adam Riese. Geboren wurde er in Staffelstein in Oberfranken im Jahre 1492, also dem Jahr der Entdeckung Amerikas.

Er war sicherlich nicht so ein bedeutender Mathematiker wie Gauß oder Archimedes. Seine Berühmtheit erlangte er durch seine Tätigkeit als Lehrer: Er verfasste Rechenbücher in einer Sprache, die jeder verstehen konnte. Dies ist bemerkenswert, waren doch 90 Prozent der damals in Deutschland geschriebenen Bücher lateinisch verfasst. Noch beachtlicher aber war ihr Inhalt, denn sie machten in Deutschland ein System bekannt, welches wir heute noch Tag für Tag gebrauchen: das dezimale Stellenwertsystem. Vorher wurde noch mit römischen Zahlzeichen auf dem Rechenbrett, dem Abakus, gerechnet. Der Aufschwung von Handel und Gewerbe verlangte aber nach einer schnelleren und übersichtlicheren Methode. Da kam das Stellenwertsystem genau richtig, denn mit ihm lässt sich problemlos schriftlich rechnen.

Zwar gab es bereits bei den Indern und später bei den Arabern im achten Jh. ein solches System, doch in Europa griff es erst im Jahr 1202 der Italiener Leonardo Fibonacci auf. Und Adam Ries schließlich machte es über 200 Jahre später den Deutschen zugänglich.

Sein erstes Buch, das er 1518 verfasste, behandelte noch ausschließlich das Rechnen mit dem Abakus. Es enthält viele praktische Aufgaben und Anwendungen, von leichten zu schweren hin angeordnet. Mit dem neuen System hatte sich Adam Ries noch nicht besonders angefreundet, besonders verdächtig war ihm die Null (ohne die unser Dezimalsystem nicht auskommt.)

Sein zweites Buch aus dem Jahre 1522 enthält dann nicht nur eine Erweiterung von Aufgaben, sondern vor allen Dingen das neue Rechnen mit Ziffern in einem Stellenwertsystem. Die Aufgaben entstammen allen Bereichen, in denen damals gerechnet werden musste. Sie wurden sehr kompliziert gelöst, da Gleichungen nicht bekannt waren. Es sollte noch 50 Jahre dauern, bis Vieta die Variablen entwickelte, mit denen sich Gleichungen leicht lösen lassen. Riese musste alles in Wortform beschreiben, was vollkommen neu war. Es gab nämlich nur wenige Gelehrte, die sich in der Algebra, der Coß, wie sie damals hieß, auskannten. Und die Gelehrten behielten ihr Wissen für sich oder verlangten Geld für die Lösung einer Aufgabe. Ganz anders Ries: Er wollte die Rechenkunst dem gemeinen Volk zugänglich machen.

Da im Laufe der Zeit viele "Raubkopien" seines zweiten Buches erschienen, erhielt Ries im Jahre 1550 das Privileg von Kaiser Karl V., ein neues Rechenbuch zu schreiben, dessen Nachdruck verboten war - außer Ries stimmte ausdrücklich zu. (Ein Urheberrecht im heutigen Sinn gab es damals noch nicht, also alles Geschriebene konnte ohne Zahlung an den Autor oder Verlag beliebig weiterverbreitet werden.) Dieses Rechenbuch, die "Practica", wurde sein Hauptwerk.

Das Titelblatt verweist auf den Inhalt der "Practica": Das Rechnen auf der Linie meint das Rechnen mit dem Abakus, das Rechnen mit der (Schreib-)Feder das heutige schriftliche Rechnen. Ries hatte bereits 1525 mit dem Schreiben des Buches begonnen, die hohen Druckkosten hatten die Herausgabe jedoch so lange hinausgeschoben.

Zu dieser Zeit lebte Ries in Annaberg, einer jungen Stadt im Erzgebirge, die vor allem durch ihre Silbervorkommen viele Leute anzog. In seinem Beruf als "Kurfürstlicher Sächsischer Hofarithmeticus" hatte Ries mit praktischen Dingen zu tun. Er verfasste Bergwerksrechnungen und zwei Brotordnungen. In ihnen wurde festgelegt, zu welchen festen Preisen welche Mischungen von Brot verkauft werden durften. Adam Ries starb im Jahre 1559 in Annaberg.

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