Leibniz, Gottfried Wilhelm1646-1716
Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 21.6.1646 als Sohn eines Professors in Leipzig geboren. Schon früh zeigte sich sein enormer Wissensdurst: Er besuchte während seiner Schulzeit die Universität (als Sohn eines Professors war ihm dies gestattet), mit acht Jahren brachte er sich selbst die lateinische Sprache bei. Mit gerade 20 Jahren machte er seinen Doktor in Rechtswissenschaft. Als Rechtsgelehrter und Berater war er zunächst beim Mainzer Kurfürsten tätig. Er verfasste in dieser Zeit viele Abhandlungen zu religiösen, philosophischen, mathematischen und historischen Themen. Auf seinen Reisen nach Paris und England lernte er bedeutende Zeitgenossen aus den Bereichen Mathematik und Physik kennen und gewann durch diese Kontakte neue Erkenntnisse in diesen Disziplinen. Aber nicht nur durch persönliches Kennenlernen, auch durch einen regen Briefwechsel stand er mit vielen Wissenschaftlern seiner Zeit (z. B. Descartes und Newton) in Verbindung.
1676 wechselte Leibniz nach Hannover an den Hof des Herzogs Johann Friedrich. Auch hier pflegte er seine vielfältigen Interessen, unterlag aber auch der Gefahr, sich zu verzetteln. In einem Brief schreibt er: "So viel Neues habe ich aber in der Mathematik, so viele Gedanken in der Philosophie, so viele andere literarische Beobachtungen, die ich nicht gerne möchte abhanden kommen lassen, dass ich oft nicht weiß, was zuerst zu tun ist."
Seine verschiedenen Tätigkeiten als Reichshofrat, Berater des Kaisers, seine Mitgliedschaft in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Vereinigungen täuschten darüber hinweg, dass sein Einfluss immer weiter zurückging. Im Streit um die Entdeckung der Differenzialrechnung wurde er zu Unrecht des Plagiats bezichtigt. Leibniz starb 1716 verbittert und vereinsamt, nicht eine Person folgte seinem Sarg.
Worin nun liegt die Bedeutung von Leibniz? Kurz gesagt: Er war vermutlich der letzte Europäer, der sich in allen zu seiner Zeit vorhandenen Wissensgebieten auskannte, der letzte Universalgelehrte. Aber er beherrschte nicht nur sehr unterschiedliche Bereiche, er entwickelte neue Verfahren, machte zukunftsweisende Entdeckungen. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:
Sein philosophisches Hauptwerk, ein Werk über die Güte Gottes, die Freiheit des Menschen und den Ursprung des Bösen, war schon zu seinen Lebzeiten ein Klassiker.
Auf einem ganz anderen Gebiet, der Mathematik, erfand er die Infinitesimalrechnung, die heute Differenzial- und Integralrechnung genannt wird.
Ferner gilt Leibniz als einer der Erfinder des binären Zahlensystems. Ein binäres System arbeitet nur mit den Zahlen 0 und 1. Binäre Systeme (wie das Dualsystem) haben neben anderen Entwicklungen enorme Bedeutung für die Entwicklung von Computern.
Auch eine andere Erfindung von Leibniz war gewissermaßen ein Vorläufer für heutige Rechenautomaten, nämlich seine Rechenmaschine. Damit ließen sich bereits alle vier Grundrechenarten durchführen. Neu für die damalige Zeit war vor allem ein beweglicher Wagen, wodurch die Position der einzelnen Stellen verschoben werden konnte. Diese Technik wurde auch noch 200 Jahre nach Leibniz von den Konstrukteuren von Rechenmaschinen benutzt.
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