Descartes, René1596-1650
René Descartes wurde 1596 in der Nähe von Tours in Mittelfrankreich geboren. Mit acht Jahren kam er an eine von Jesuiten geleitete Schule, in welcher er - wie damals üblich - in den so genannten sieben freien Künsten unterrichtet wurde: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Später wandte er sich, allerdings ohne die rechte Lust, juristischen Studien zu, die er mit 20 Jahren abschloss. Anschließend ging er zum Militär, um die Voraussetzungen für ein späteres politisches Amt zu schaffen.
Während seiner Militärzeit lernte er einen deutschen Mathematiker kennen. Dieser regte ihn an, sich intensiver mit der Mathematik zu beschäftigen. Ansonsten lebte Descartes in den Tag hinein und verbrachte seine Zeit als Spieler und ohne eine richtige Aufgabe.
Aber diese Art zu leben behagte ihm auf Dauer nicht mehr, und so begann er tatsächlich, sich mit Philosophie, Physik und Mathematik zu beschäftigen. Er zog nach Holland und fand dort recht schnell Anschluss an die gelehrten Kreise. In den holländischen Städten blühten Handel und Wissenschaft. In dieser sehr produktiven Phase seines Lebens entstand der "Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences", die "Abhandlung über die Methode, die Vernunft richtig zu leiten und die Wahrheit in den Naturwissenschaften zu suchen, außerdem die Dioptrik, Meteore und Geometrie". (Die Dioptrik befasst sich mit den Gesetzen der Lichtbrechung.)
1649 ging er nach Schweden, weil Königin Christine den Wunsch hatte, sich von Descartes in Philosophie unterrichten zu lassen. Dass die Königin den Unterricht allerdings morgens um 5.00 Uhr eingeplant hatte, passte ihm überhaupt nicht. Er war gewohnt, bis mittags im Bett zu bleiben. Im Winter zog er sich eine Lungenentzündung zu, an der er 1650 starb
Die Bedeutung Descartes liegt weniger im Beweis bestimmter mathematischer Sätze, sondern vielmehr in seiner Grundeinstellung der Wissenschaft insgesamt gegenüber. Er wollte in allen Wissenschaften exakte und nachvollziehbare Methoden und Begründungen wie in der Mathematik einführen. Die Mathematik sollte gewissermaßen Vorbild für alle anderen sein, schon allein auf Grund der Allgemeingültigkeit in ihren Aussagen. Diese genauen Definitionen wolle er aber auch innerhalb der Mathematik vorantreiben, insbesondere in der Verschmelzung der bis dahin getrennten Gebiete Algebra und Geometrie. Ihm gelang dies, indem er bestimmte Strecken als Einheitsstrecken festlegte. Dadurch konnte jede Strecke in der Geometrie als Zahl in der Algebra aufgefasst werden. Eine für uns selbstverständliche Tatsache, für die damalige Zeit jedoch sensationell.
Diese Verbindung von Geometrie und Algebra begegnet uns heute noch: das nach Descartes benannte Kartesische Koordinatensystem. Descartes war der Erste, der die Lage von Punkten mithilfe eines Achsenpaares (x- und y-Achse) beschreiben konnte.
Auch in der Philosophie führt sein Ziel, sichere und allgemein gültige Aussagen zu erhalten, zu einer Methode, die Descartes berühmt machte: die Methode des radikalen Zweifelns. "Alles, was ich um mich herum wahrnehme, kann Täuschung sein, ich muss es zunächst anzweifeln. Aber indem ich dies tue, ist sicher, dass ich denke und damit, dass ich existiere: cogito, ergo sum - ich denke, also bin ich."
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